Animismus – haben Dinge eine Seele?

Kennst Du das? Du hast ein altes Auto, dass dich jahrelang überall hingefahren hat. Bisher haben ein paar Reparaturen dein Lieblingsfahrzeug immer über den TÜV gebracht, jetzt ist der Schaden allerdings so gross, dass eine Reparatur keinen Sinn mehr macht. Der Wagen muss zum Schrottplatz. Irgendwie hast du aber ein schlechtes Gewissen. Es fühlt sich nicht richtig an, deinen Schatz einfach so zu entsorgen. Werden die Teile ausgeschlachtet und einem anderen Fahrzeug weiterleben? Ist es dir böse, dass du das Geld für eine letzte Reparatur nicht mehr ausgeben willst? Hat mein Auto eine Seele?

Dafür, unbelebten Dingen eine Seele zuzusprechen, gibt es einen Ausdruck: Animismus. Animismus leitet sich griechisch Anima = Hauch, Seele ab. Animismus wird von Soziologie- und Religionswissenschaftlern als eine der ältesten Formen von Religion betrachtet. Allerdings gibt es hier keine Dogmen und Priester, weshalb es sich vermutlich eher um eine Art spirituelles Weltbild handelt.

Stammesreligionen und auch der japanische Shintoismus betrachten unbelebte Dinge als beseelt. So werden in Japan gerne alte Familien-Erbstücke, die zu Bruch gegangen sind, zum Beispiel eine Essschale, nicht leichtfertig weggeworfen sondern aufwändig (teilweise mit Gold) repariert und weiterverwendet. Eine wunderbare Tradition, finde ich.


Es gibt auch wissenschaftliche Studien, die z.B. das Sprechen mit Pflanzen erforscht haben. Pflanzen, mit denen man spricht, wachsen besser und haben größere Blüten. Die Wissenschaft setzt ein materielles Weltbild voraus, weshalb dies mit dem CO2-Dünger in der Atemluft erklärt wird, die die Pflanze als Nahrung braucht.
(https://www.schule-und-familie.de/wissen-wieso-weshalb-warum/natur/warum-wachsen-pflanzen-besser-wenn-man-mit-ihnen-spricht.html).

In einem spirituellen Weltbild ist es völlig OK, Dingen irgendeine Form von Seele zuzusprechen. Es gibt dem Leben einfach mehr Fülle und macht selbst Kleinigkeiten interessanter. Ausserdem ist mit der Vorstellung, Dinge seien beseelt, ein Gefühl von Verbundenheit verknüpft, das einem die Einsamkeit vertreiben kann. Eine Person mit einem animistischen Weltbild ist offener, lebensbejahend und erkennt oft einen tieferen Sinn hinter den Dingen.

Naturvölker benutzen für ihre Rituale oft halluzinogene Pflanzen und Pilze, um im Rausch einen anderen Bewusstseinszustand zu erreichen. Halluzinogene sind in ihrer psychoaktiven Wirkung nicht mit Rauschmitteln wie Alkohol vergleichbar. Die Gehirnchemie wird so verändert, dass Gehirnareale kurzzeitig plötzlich miteinander verknüpft werden, die im Normalzustand kaum miteinander interagieren. Charakteristisch für den halluzinogenen Bewusstseinszustand: alle Dinge sind lebendig und alles ist miteinander Verbunden – die Dinge sind beseelt. Diese gefühlte Erkenntnis bestätigte die Wissenschaft teilweise erst in der Quantenphysik, die gezeigt hat, dass selbst räumlich weit entfernte Teilchen instantan – ohne direkte Kommunikation und ohne die Begrenzung der Lichtgeschwindigkeit – trotzdem miteinander wechselwirken können (Quantenverschränkung).

Am Ende des Tages wird die Wissenschaft immer versuchen, überraschende Messungen auf ein materialistisches Weltbild zurückzuführen. Dieses Dogma gründet sich auf einen jahrhundertealten Vertrag mit der Geistlichkeit, die sich so die Deutungshoheit über das geistige Weltbild sichern wollte. Im Gegenzug hat die Geistlichkeit aufgehört, die Wissenschaft als Konkurrenten für die Deutungshoheit der Beschreibung der Welt zu sehen und zu bekämpfen. Es ist auch eine verständliche und nachvollziehbare Strategie, Wissenschaft nicht auf Glauben sondern auf harten Messungen und Statistiken aufzubauen. Wenn man jedoch unbekannte Einflüsse (höhere Dimensionen, fremdartiges Leben, feinstoffliches Leben) im Vornherein ausschließt, setzt man sozusagen ein Dogma des Materialismus voraus, was eigentlich im strengen Sinne, kein wissenschaftliches Vorgehen mehr ist. Die Ursache dafür ist eben auch politischer Natur.

Man hat festgestellt, dass bei einigen Experimenten die Erwartungshaltung des Experimentalleiters das Versuchsergebnis beeinflusst. Erwartet man also ein lebendiges Verhalten in einer Versuchsanordnung (animistisch), wird man häufiger Hinweise dafür finden als wenn man nur tote Materie voraussetzt. Es ist etwa so, wie wenn man im Restaurant unter dutzenden gleichzeitiger Tischgespräche seine ganze Aufmerksamkeit auf ein einziges davon richtet und so alle anderen Gespräche unhörbar werden. Man sieht am Ende nur das, was man auch sehen will.

In einem spirituellen Weltbild sollte es keine Dogmen geben (jedenfalls keine fremdbestimmten). Der Glaube, dass selbst tote Dinge beseelt sind, kann sehr hilfreich sein, in die Geheimnisse der Welt vorzudringen. Ereignisse sind dann nicht mehr sinnlos und nur ein Produkt des Zufalls mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit. Laut der Wissenschaft stirbt das Universum irgendwann den Entropietod, eine völlig gleichmässige Verteilung der Energie, wo Leben nicht mehr möglich ist. Allerdings beobachten wir das ganz genaue Gegenteil: Das Leben organisiert sich zu einer komplexen höheren Ordnung, Energie wird chemisch in der Biomasse konzentriert und liefert so die Grundlage für weiteres Leben. Wie durch Zauberhand produziert unser Planet eine Fülle an Leben aus völlig toter Materie.