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Die Walpurgisnacht

Heute ist Walpurgisnacht, die Nacht vom 30.April auf den 1.Mai… irgendwo in einer versteckten Waldlichtung auf einem Berg tanzen nackte Frauen um ein Feuer herum. Es riecht nach Rauch und verbranntem Harz. Die Nackten stimmen einen merkwürdigen Gesang in einer fremdartigen Sprache an. Wie in Trance singen die Hexen(?) zu den Klängen der Trommeln und Flötenmusik. Sogar der Gehörnte erscheint in ihrem Reigen – Was hat es mit dem Hexensabbat auf sich?

Es liegt auf der Hand, dass die Kirche während ihrer Zwangsmissionierung Schwierigkeiten hatte, die heiligen Fruchtbarkeitsfeste der Kelten und nordischen Stämme zu übernehmen. Während sich das Osterfest noch in den Zusammenhang mit der Kreuzigung Christi bringen ließ, passen die vorchristlichen und heidnischen Parties nur schwer in das Konzept der Religion der Kirche. Trotzdem musste dieses Fest irgendwie berücksichtigt werden. Der Gedenktag der heiligen Walburga am 1. Mai und die vorherie Nacht wurden zur Walpurgisnacht erklärt. Durch das Walpern, dem Läuten der Glocken, sollten die Hexenumtriebe abgewehrt werden.

Für die Kelten war Beltane nicht nur das Fest zum Vollmond des 5. Mondes, es war der Beginn des keltischen (und germanischen) Jahres. Ja genau, vor einigen Jahrtausenden war der heutige Tag sozusagen Sylvester. Es ging um den neuen Jahreszyklus, um Fruchtbarkeit und die Verehrung der lebensspendenden Göttin. Es geht um die Vereinigung der Göttin und des männlichen Prinzips (siehe Grüner Mann). Wir finden Parallelen zum griechischen Dionysos-Kult und der Verehrung des Gottes Pan, der mit seinen Hörnern und dem Hinterteil eines Ziegenbocks viel Ähnlichkeiten mit dem kirchlichen Bild des Teufels hatte. Hier hat man ein ehemaliges Fruchtbarkeitssymbol einfach dämonisiert und die Symbolik negativ verbogen.

Grüner Mann

Auch die Entzündung des Feuers in vorchristlicher Zeit ist gut belegt. Neben der Symbolik als alchemistisches Element dient das Feuer auch als Begrüßung der warmen Jahreszeit. Feuer hat eine sehr transformierende und kraftvolle Qualität. Nicht nur die Sonne spendet nun mehr Energie und Licht, auch die Menschen tun es ihr gleich und erzeugen ebenfalls Wärme und Licht. Zudem verbrennt Feuer auch Krankheit und Tod und bekämpft damit in reinigender Weise die Gegenspieler des Lebens. Das neue Jahr sollte fröhlich und glücklich beginnen, die vergangenen negativen Energien ausgebrannt werden.

Heute hat die Walpurgisnacht für spirituelle Menschen wieder eine besondere Bedeutung. Als Fest der Hexen (der damals gebildeten, spirituellen und weisen Frauen) verbindet es uns mit alten, bislang unterdrückten Wurzeln. Es erinnert an eine Zeit des respektvollen Umgangs mit der Natur und Schöpfungskraft, der Begrüßung der Lebenskraft und Natürlichkeit, auch der zwanglosen Sexualität und Lebensfreude. Konzepte wie Sünde und Schuld spielten hier keine Rolle, trotzdem wusste man wie das menschliche Zusammenleben fair, moralisch hoch und respektvoll gestaltet werden konnte. Man respektierte die göttliche Ordnung und nutzte dabei die Gaben der Natur. Jeder verfügte über einen eigenen Zugang zu Spiritualität und der göttlichen Quelle.

Wir wünschen Dir eine sinnliche Walpurgisnacht, ein schönes Beltane-Fest oder ganz einfach einen schönen 1.Mai.

„Nos Calan Mei“

Feuer