Der Wert der Freiheit

Freiheit – ohne den festen Wunsch, ein freies und selbstbestimmtes Leben führen zu wollen, ist eine spirituelle Weiterentwicklung nahezu unmöglich!

Natürlich kann man sich selbst Prinzipien, Regeln und Begrenzungen der eigenen Freiheit wählen – aber diese Begrenzungen sollten aus einer eigenen Überzeugung heraus entsprungen sein, ohne manipulative Fremdbestimmung und Druck.

Freiheit wird allgemein als Möglichkeit definiert, zwanglos aus verschiedenen Möglichkeiten wählen zu können und ohne auferlegte Konsequenzen selbst zu entscheiden, welche Richtung man einschlägt. Dazu fällt mir eine alte Geschichte ein, die mir in Kindertagen mein Vater erzählt hat, die Geschichte von der Kornmuhme (manchmal auch Korngeist) genannt. Eine alte furchterregende Frau lebt im Korn und frisst kleine Kinder. Der Sinn der Geschichte – abgesehen von einem Bezug zu Naturgeistern – bestand darin, Kinder im Zeitalter vor Handys und Computerspielen davon abzuhalten, in den Kornfeldern beim Spielen das Getreide zu zertreten und die Ernte zu gefährden. Kinder glauben zunächst kritiklos, was ihre Eltern ihnen erzählen, schliesslich sind sie zu Beginn des Lebens ihre wichtigste Orientierung.

Die Eltern bauen einen unsichtbaren Zaun der Angst in den Köpfen ihrer Kinder und begrenzen so deren Freiheit. Sie könnten ihnen auch einfach den Sinn des Verbots, im Kornfeld zu spielen, erklären… doch durch das abschreckende Bild von der Kornmuhme geht man lieber auf Nummer sicher. Irgendwann sind die Kinder erwachsen und können selbst entscheiden, ob sie ihr mühselig angebautes Kornfeld zertreten möchten oder nicht. Da sie als Erwachsene eigenverantwortlich geworden sind haben sie später mehr Freiheiten, irgendwann haben sie die Geschichte als Lüge ihrer Eltern entlarvt.

Wir lernen daraus, dass die Fähigkeit, Erzählungen zu Hinterfragen und ein gesundes Kritikbewusstsein an den Tag zu legen, für die individuelle Freiheit absolut notwendig ist. Insbesondere bei spirituellen Lehren, wo man die dahinterliegende Wahrheit nicht nachprüfen kann, ist ein Feingefühl und Hinterfragen sehr wichtig. Man hat zwar die Freiheit, einem charismatischen Guru zunächst einen Vertrauensvorschluss entgegenzubringen, aber was ist, wenn sich seine Aussagen im Laufe der Zeit widersprechen oder er Wasser predigt aber Wein säuft?.

Früher hatte ich die naive Vorstellung, es gelte wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Heute scheint zu gelten: glaube demjenigen um so mehr, je mehr er seine Lügen immer wieder wiederholt und kümmere dich nicht darum, ob sich die vergangenen Aussagen als Lügen herausgestellt haben.

Im Moment blickt man fassungslos um sich und dankt sich, warum scheinen so viele blind für so viele offensichtliche Lügen und Manipulationsversuche zu sein scheinen: Wir erleben aktuell (2022) Friedensdemos, deren bevorzugter Lösungsansatz in der Aufrüstung einer Seite ist. Nachrichten zu Konflikten und Kriegen werden allgemein als neutrale Berichtserstattung gesehen, obwohl die Medien niemals in der Geschichte das eigene Lager schlechter haben aussehen lassen oder gar mitverantwortlich für den Konflikt sind. Man rühmt sich, eine freie Meinungsäußerung zu unterstützen, erlaubt es aber privaten Medienunternehmen jeden öffentlichen Kommentar zu löschen und zu zensieren, der von der gewünschten Meinung irgendwie abweicht. Man spricht von freier Wissenschaft, entzieht aber allen Forschern die Unterstützung und mediale Sichtbarkeit, sobald ihre Forschungsergebnisse mit dem gewollten Weltbild nicht mehr zusammenpassen. Politische Machthaber mit laufenden Korruptionsverfahren werden in die höchsten Ämter gehoben…. Diese Liste ließe sich immer weiter fortsetzen. Es bleibt am Ende die Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Was das eigentlich schon immer so? Die Antwort: die meisten Menschen haben ein unterentwickeltes Kritikbewusstsein und hinterfragen die Wirklichkeit nicht. Wie Kleinkinder geben sie sich mit Märchen als Erklärungsansatz zufrieden und verlassen sich blind auf öffentliche Aussagen, selbst wenn diese später als Lüge identifiziert werden konnten.

Spiritualität hinterfragt die Realität permanent, sie nimmt sich auch heraus, diese immer wieder neu zu bewerten. Spiritualität unterscheidet sich von der Religion dadurch, dass sie keine Dogmen kennt. Spritualität ist ein individueller Zugang zum Göttlichen, eine Priesterkaste ist nicht erforderlich und sogar hinderlich. Die sichtbare Welt ist nur ein Teil der Wirklichkeit und kann nicht die alleinige Basis für persönliche Entscheidungen sein. Wer meditiert, Karten legt, Klarträume oder Astralwesen übt, sich mit Magie beschäftigt, der bestimmt zunächst selbst, woran er glaubt oder eben auch nicht. Es interessiert sie/ihn nicht, dass irgendjemand früher einmal gesagt hat, es sei nur Aberglauben. Derjenige hat diese Erkenntnis vielleicht auch nur kritiklos von anderen übernommen und niemals selbst Schritte unternommen, eigene spirituelle Erfahrungen zu machen. Spirituelle Freiheit bedeutet, die Wirklichkeit zu hinterfragen. Es bedeutet, geistige Barrieren in Form von Erzählungen und Mythen abzureissen und sich für neue Wahrheiten zu öffnen. Möglicherweise stellt sich heraus, das einige Erzählungen von Gurus nicht stimmen können, aber der Weg zu dieser Erkenntnis braucht die Gelegenheit, diese Darstellung selbst überprüfen zu können.

Zusammenfassung: Glaube, was Du willst, aber sei bereit, jederzeit die Konsequenzen für dein Weltbild zu tragen. Für dein Denken, Fühlen und Leben: strebe immer nach maximaler Freiheit und Unabhängigkeit.

Viel Spass und Freude auf deinem eigenen Weg in die Freiheit auf allen Ebenen!