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Die Rauhnächte

In der Mythologie unseres Kulturkreises existieren die sogenannten Rauhnächte. Dabei handelt es sich um die Zeit zwischen Weihnachten und dem Thomastag, allerdings variiert dieser Zeitraum je nach Region. Die mit den Rauhnächsten verbundenen Sagen stammen teilweise noch aus vorchristlicher Zeit. Während der Rauhnächte soll die Barriere zwischen unserer Welt und dem Jenseits bzw. Reich der Geister teilweise Verschwinden.

In der Zeit der Rauhnächte soll das Wahrsagen und das Hellsehen besonders leicht fallen. In dieser Ansichtsweise hat auch der Brauch des Bleigiessens seinen Ursprung. Auch die Befragung von Orakeln ist während der Rauhnächte besonders treffsicher.

Der Begriff Rauh-Nacht stammt möglicherweise von der damaligen Praxis ab, während dieser Zeit die Gebäude und Ställe zu beräuchern. Mittels Weihrauch, Beifuss oder anderen reinigenden Räucherstoffen wurde der Wohn- und Stallbereich spirituell gereinigt. Damit wollte man sich Geister und Dämonen die zur Zeit der Rauhnächte unterwegs wahren fern halten.

Später flossen die ursprünglichen Rituale in die Zeremonien der Weihnachtsfeier mit ein. Insbesondere die heutigen Sylvesterbräuche entleihen sich viele Aspekte aus dem mythologischen Hintergrund der Rauhnächte. Das Abschiessen der Sylvesterraketen dient der Austreibung unliebsamer Geister. Zur Mitte der Rauhnächte zu Sylvester sollte die wilde Jagd aufbrechen. Da die Grenze zum Geisterreich teilweise aufgehoben worden ist ziehen Horden von Geistern und Dämonen durch das Land und machen Jagd auf unachtsame Menschen.

In dieser Zeit durften junge Frauen z.B. keine weissen Kleidungsstücke zum Trocknen aufhängen. Generell war das Aufhängen von weissen Tüchern oder Bettlaken verboten, da diese von Reitern der Wilden Jagd benutzt werden konnten um dem Besitzer damit ein schönes Leichentuch zu schneidern und diesen ins Jenseits zu holen. Während der Wilden Jagd durfte man nachts nicht nach draussen gehen.

Interessant ist auch die Legende von den sprechenden Tieren während der Rauhnächte. Stalltiere konnten teilweise während der Rauhnächte sprechen und sich beim Hausgeist über ihren Besitzer beschweren wenn sie dieser schlecht behandelt hat. Ein sehr schöner Brauch der dazu beitrug, dass Stalltiere zumindestens um die Weihnachtszeit herum von vielen Bauern etwas mehr Futter und Zuwendung erhielten als diese vielleicht tatsächlich nötig gehabt hätten.

Veranstalten Sie doch einmal ein ganz persönliches romantisches Rauhnachtsritual und verräuchern Sie zu dieser Zeit ein paar angenehm duftende Kräuter über einem Teelicht beim Genuss eines Heissgetränks.