Traumdeutung Spiegel
Der Spiegel im Traum ist eines der faszinierendsten Traumsymbole in der Traumdeutung. Er steht z.B. für Selbsterkenntnis und Identität. Darüberhinaus ist er auch eine Art Sprungbrett in einen Luziden Traum, da man nicht unbedingt das sieht, was man sehen möchte, und ein prima Reality-Check.
Der Spiegel begegnet uns im Traum, wenn ein Aspekt in uns an die Oberfläche drängt und sich im Spiegelbild bildhaft zeigt. Wir fragen uns unbewusst: Wer bin ich wirklich?, Was verändert sich gerade in mir oder wie wirke ich auf Andere?. Der Spiegel ist kein häufiges Traumsymbol, doch wenn er uns im Traum begegnet, ist seine Deutung umso bedeutsamer für uns. Er zeigt uns oft Merkmale, die im Tagesbewusstsein unterdrückt sind, und die wir nun klar sehen können.
Verzerrtes Spiegelbild
Ein erstelltes oder hässliches Spiegelbild hat nicht zwingend etwas mit Selbstzweifeln, Angst vor Ablehnung oder einem verzerrten Selbstbild zu tun. Oft geht es um einen unbekannten Aspekt in unserer Seele, der nach oben drängt und immer mehr ein Teil von uns ist. Vielleicht lehnen wir diesen Teil von uns noch ab, oder weigern uns, dieses unschöne Detail an uns zu akzeptieren. Wir können uns aber fragen, ob darin nicht eine Kraft verborgen ist, die wir unabsichtlich unterdrücken, und dadurch zu einer ambivalenten Spaltung in uns führt. Fragen wir uns: wer will ich wirklich sein? Welcher Aspekt in mir besitzt eine gewisse Wirkkraft, die ich aber unterdrücke – vielleicht aufgrund der Erwartungshaltung Anderer? Diese Fragen helfen uns bei unserer Neuorientierung und Selbsttransformation, wenn wir uns entscheiden, diesen Schritt zu gehen. Wir können uns immer wieder dafür entscheiden, mit bestimmten Aspekten unserer Persönlichkeit nicht mehr in Konflikt stehen zu wollen.
Schwelle oder Übergang
Eine Spiegel hat auch eine magische Qualität im kollektiven Unterbewusstsein des Menschen. Er ist Werkzeug zahlreicher Rituale zum Thema Übergang zur feinstofflichen und unbewussten Welt. Viele Hellseher benutzen magische Spiegel, z.b. auch schwarze aus Obsidian-Glas, um ihre Wahrnehmung auf dahinterliegende Energien und Kräfte zu lenken. Die spirituelle Arbeit mit magischen Spiegeln öffnet häufig Zugänge zu Bereichen, die auch durchaus herausfordern sind, ähnlich wie das öffnen einer unbekannten Tür zu einem Gehege innerhalb eines Zoos für herausfordernde Begegnungen mit archaischen Kräften führen kann. Hier geht es oft auch um Schattenarbeit, Traumabewältigung, Intuition oder allgemeine eine neue Richtung, die wir begonnen haben einzuschlagen. Abgesehen von der Verbindung zu fremden Strömungen können wir uns fragen, ob wir gerade eine neue Bewusstseinsebene erreichthaben, eine Veränderung in unserem spirituellen Weltbild oder begonnen haben, Wahrheiten mehr im Innern als im Äußeren zu suchen.
Manchmal ist der Spiegel wie eine Tür, eine Einladung, tiefer zu schauen – hinter eine Maske, Rolle oder Oberfläche.
Sprungbrett in einen Klartraum
Wer sich mit Klarträumen (Luzide Träume) beschäftigt, kennt den Begriff er Reality-Checks. Einige gewöhnen sich z.B. an, im Wachzustand im Laufe des Tages bewusst auf ihre Hand zu blicken und ihre Finger zu zählen. Im Traum sieht die eigene Hand (und das eigene Spiegelbild) fast immer anders aus – je nach aktueller Stimmungslage. Fühlen wir uns unvollständig und seelisch zerrissen, sind unsere Finger im Traum oft dunkel, verkürzt oder unförmig. Vielleicht zeigt sich hier eine Schattenseite an uns. Sind wir gerade in einer Hochphase des Lebens, wenn sich alles richtig anfühlt, ist die Hand häufig schön, strahlend und unnatürlich glänzend – aber selten sieht die Hand genauso aus wie im Tagesbewusstsein. Ähnlich verhält es sich mit unserem Spiegelbild. Auch hier können wir die Erkenntnis, dass unser Spiegelbild etwas unwirkliches zeigt, als Anker zum Initiieren eines Klartraums nutzen. Die Beschaffenheit des Spiegelbildes sollte uns allerdings weiter interessieren, z.b. wenn wir im Anschluss unser Traumtagebuch führen.
Zerbrochene Spiegel
Ein Zerbrochener Spiegel ist auch eine Reflexion einer Zersplitterung in uns selbst. Bestimmte Teile in unserer Seele sind zwar Teil einer Einheit, aber im Augenblick voneinander abgetrennt und nicht in Synchronizität. Dabei zeigt uns die genaue Beschaffenheit der Scherben, welcher Aspekt in uns nicht mehr ganz stimmig ist. Fehlt z.B. die Spiegelscherbe, wo sich unser Kopf befindet? Dann suchen wir nach der Bedeutung unseres Selbst, das sich durch uns ausdrückt. Fehlt der Unterleib – hier können intime Aspekte unterdrückt sein, zu denen wir vielleicht ein Wenig den Zugang verloren haben. Ein zerbrochener Spiegel im Traum ist ein Geschenk für jeden, der nach Selbsterkenntnis und Selbstverbesserung strebt. Vielleicht verbergen wir einen Aspekt in uns vor uns selbst. Es wäre nur ungünstig, wenn andere diesen Aspekt weiterhin in uns wahrnehmen, wir selbst dafür aber blind geworden sind.
Gefühle im Spiegel
Im Traum spiegelt sich häufig nicht nur unser Äußeres sondern auch Gefühle und Emotionen. Wir sollten hier versuchen uns an die Gefühle zu erinnern, die wir bei der Betrachtung in den Spiegel empfunden haben. War das Gefühl für uns unangenehmem, angenehm oder waren wir emotional komplett distanziert und umergriffen. Oft spielen dei Gefühle dabei eine größere Rolle als das, was wir im Traum im Spiegel tatsächlich erkennen können.




