Identifikation mit einer Rolle

In einer materiellen Welt Erfahrungen zu machen bedeutet, uns ein Stück weit mit einer
Rolle innerhalb unserer Begrenzungen zu identifizieren. Ohne zeitliche und räumliche
Begrenzungen wären das Eintauchen in die Rolle, das Spiel zwischen Komfort- und
Wachstumszone, das Erleben von Freude und Glück, nicht möglich.

Ohne es uns bewusst zu sein stehen wir auf einer Bühne der Wirklichkeit, die von uns
als absolute Wahrheit aktzeptiert wird. Das Ingnorieren dieser Wirklichkeit hat keine
Vorteile von uns, denn auch als gefangene Schauspieler haben wir auf der Bühne Bedürfnisse,
dir nur hier erfüllt werden können. Die Bühne kann von uns nicht einfach so verlassen
werden.

Viele Wahlmöglichkeiten, welche Rolle wir hier spielen, haben wir nicht. Wenn wir keine
Möglichkeit sehen, unsere aktuelle Rolle zu verlassen, zugunsten einer passenderen Rolle,
haben wir dennoch noch verbleibende Wahlmöglichkeiten. Wir können immer entscheiden,
wie wir unsere Rolle spielen und innerhalb der Rolle versuchen, eigene, neue Spielregeln
festzulegen. Und wenn uns selbst dieser Spielraum verwehrt wird, so können wir immer noch
für uns festlegen, wie die Spielregeln eigentlich sein sollten und unsere Identifikation
mit ihnen ablegen. Wir können uns auch regelmäßig bewusst machen, dass wir unsere
aktuelle Rolle nicht freiwillig ausfüllen und sie nicht stillschweigend akzeptieren.
Wir können uns eine bessere Rolle vorstellen unter besseren Bedingungen. Wenn uns jemand
fragt, können Wir immer sagen: diese Rolle passt nicht zu mir und ich werde sie verlassen,
sobald ich die Möglichkeit dazu haben.

Wenn wir uns zu sehr auf fremde Spielregeln einlassen, diese nicht hinterfragen und uns
einfach nur mit unserer materiellen Rolle identifiziern, so können persönliche Fehlschläge,
Rücksetzer oder Enttäuschungen viel mehr mit uns anstellen, als wir es eigentlich zulassen
sollen. Dazu gehören sowohl fremdbestimmte als auch selbst angelegte Erwartungshaltungen
an unsere Rolle. Bei den selbstgewählten Zielen können wir die Höhe der Messlatte noch selbst
mitbestimmen. Andere werden diese immer in Höhe unserer Leistungsgrenze anheben.

Der Umstand, wieviel Macht eine Rolle über uns hat, wird auch zu einem grossen Teil
von uns selbst mitbestimmt. Inwieweit lassen wir es zu und akzeptieren es, wenn eine
Lebensrolle zu grosse Erwartungshaltungen an uns stellt. Welche Gegenleistung erhalten wir dafür,
dass wir uns in die Rolle hineinversetzen? Wie gut würden wir es einstecken, wenn die Rolle
plötzlich mit anderen Schauspielern besetzt wird? Inwieweit versorge ich eine Anforderungsituation freiwillig
mit meiner Energie, obwohl die Verbindung nur für die andere Seite günstig ist.

Du musst nicht freiwillig jede Rolle spielen, insbesondere wenn sie gar nicht mehr
zu dir passt. Vielleicht kannst du nicht alles sofort hinschmeissen, aber du kannst im
Geiste anfangen, deine eigene Frequenz zu ändern und mit dem Abnabelungsprozess
zu beginnen. Sage dir zunächst im Kopf: „Ich identifiziere mich nicht mehr als Opfer
der Rolle…. Meine Frequenz passet eher zu … Ich bin mit den aktuellen Begrenzungen
nicht einverstanden und will die nächstbeste Gelegenheit ergreifen, aus dieser Rolle auszusteigen.“