Die Hermetischen Gesetze

Die bekannten 7 Hermetischen Gesetze werden Hermes Tismegistos zugeschrieben, dem Verfasser des Corpus hermeticum. Er wird in vielen Zirkeln als Urquelle aller Weisheit gesehen. Wir werfen einmal einen tieferen Blick auf die Hermetischen Gesetze und was wir aus ihnen für uns persönlich integrieren können, und was vielleicht auch nicht.

Auf dem faszinierenden Weg in den Kaninchenbau der Spiritualität gibt es viele Irrwege. Die grosse Herausforderung ist, dass es keine zentralen Dogmen oder Lehren gibt, die man einfach nur übernehmen und in seine Wirklichkeit einbauen kann. Jeder entscheidet selbst, welchen Richtungsgebern er vertraut, und welchen nicht. So ist es auch bei der Hermetik, die eine unglaubliche Quelle an spiritueller Inspiration liefert, aber durchaus auch relativistisch betrachtet werden kann. Tatsächlich decken sich ihre Aussagen immer mehr mit tiefgreifenden Erkenntnissen der Wissenschaft, auch wenn diese einen Bezug abstreiten würde, weil sie in einem rein materialistischen Weltbild verhaftet ist.

Zurück zu den 7 Gesetzen der Hermetik. Erstmals tauchen sie nicht in nachgewiesenermassen antiken Schriften auf sondern im The Kybalion aus dem Jahr 1908. Die Autoren: Die „Three Initiates“, die „Drei Eingeweihten“. Vieles deutet darauf hin, dass William Walker Atkinson von der New-Thougth-Bewegung in den USA der Urheber ist. Das Kybalion basiert nur teilweise auf antiken Überlieferungen und verbindet in einer Synthese Hermetik, Okkultimus, Theosophie, New Thougth und andere esoterische Strömungen miteinander.

Wenn es sich um eine neuzeitliche Schrift handelt, haben diese 7 Gesetze überhaupt eine Aussagekraft? Kann ich einer Schrift Glauben schenken, die angeblich von Hermes Trismegistos stammen soll, aber dessen Wahrheiten nur teilweise eingebunden hat?

Wir können festhalten – das Narrativ der 7 Hermetischen Gesetze ist lebendig und wurde in die Welt gebracht. Es begeistert Millionen und ist ein wertvoller Baustein auf jedem spirituellem Erkenntnisweg geworden. Es wird sowohl in Bruderschaften als auch Yoga-Ashrams und freien esoterischen Verbindungen diskutiert und als Grundlage genutzt. Die 7 Hermetischen Gesetze sind ein Mythos, ein System, das gebraucht wird und deshalb eine Existenzberechtigung hat. Was wir davon übernehmen und anerkennen obliegt jedem selbst. Zumindest ist es sinnvoll, sich mit den Aussagen einmal tiefergehend zu beschäftigen und persönliche Schlussfolgerungen daraus abzuleiten. Wenn der Inhalt nützlich und wertvoll ist, ist die Autorenschaft eher zweitranging.

1) Prinzip der Schöpfung

„Alles ist Geist“
Das Universum entsteht im Bewusstsein und ist reines Bewusstsein. Gedanken (Information und deren Struktur) hat bereits eine Schöpferische Wirkung. Die Ursache der Wirklichkeit ist die Materie sondern im Ursprung ist Geist (Mentalismus). Eine Veränderung im Inneren führt zwangsläufig auch zu einer Veränderung im Äußeren.

2) Prinzip der Resonanz

„Wie oben, so unten; wie im Großen, so im Kleinen.“
Dieses Prinzip wird auch das Prinzip der Entsprechung oder Analogie genannt. Mikrokosmos und Makrokosmos verhalten sich spiegelbildlich zueinander. Wie bei einem selbstähnlichen Fraktal wiederholen sich Strukturen und Muster auf verschienden Ebenen -> Körper -> Seele -> Kosmos. Praktischer persönlicher Nachweis: Wenn du bestimmte Bücher liest, dich für spezielle Themen interessiert und ein typisches Persönlichkeitsmuster in dir trägst, dann ziehst du mit einer überproportionalen Wahrscheinlichkeit Menschen und Situation in dein Leben, die diesem inneren Muster entsprechen. Ein weiterer Nachweis: viele elementare Grundprinzipien führen zu einem ähnlichen Verhalten im Makrokosmos wie im Mikrokosmos.

3) Prinzip der Schwingung

„Nichts ruht“
Alles befindet sich in Bewegung und Frequenz, die Materie, Energie, Gedanken und Emotionen – sie unterscheiden sich nur im Grad ihrer Schwingung. Wir beobachten Wechselwirkungen, zeitliche und gesellschaftliche Zyklen. Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Die Physik offenbart immer mehr, zerlegt man die Struktur von Materie und Zeit bleibt am Ende nur Energie, Zeit und überlagerte Superpositionen in den Quantenzuständen. Vermutlich stimmt die Physik beim Prinzip der Schwingung am ehesten mit den 7 Gesetzen überein.

4) Prinzip der Polarität

„Alles hat zwei Pole“
Auch Gegensätze sind Extreme derselben Sache: heiß/kalt, Licht/Finsternis, Liebe/Hass, Wahrheit/Lüge, Schwarz/Weiss. Extreme sind nicht getrennt sondern nur weit entfernte Punkte verbunden durch graduelle Unterschiede und Gradienten. Wichtige spirituelle Erkenntnis: Tod und Geburt sind polare Aspekte des Lebens, das Ende des Lebens ist nicht mit dem Tod gleichzusetzen.

5) Prinzip des Rhytmus

„Alles fleißt“
Alles bewegt sich und verläuft in Zyklen: Aufstieg und Fall, Ebbe und Flut, Ein- und Ausatmen. Es gibt keinen Stillstand – weder auf persönlicher Ebene noch zeitlich, noch gesellschaftlich. Das Pendel schlägt immer wieder zurück.

6) Prinzip der Kausalität (Ursache und Wirkung)

Nichts geschied rein ufällig
Hinter jeder Wirkung steht eine Ursache. Wer die wahren Ursache erkennt und versucht, diese zu verstehen, wird nicht mehr nur der Spielball des Lebens sein sondern aktiver Mitspieler und Mitgestalter.

7) Prinzip des Geschlechts

Alles hat ein männliches und einweibliches Prinzip.“
Alles trägt männliche und weibliche Anteile in sich. Es geht nicht (nur) um die biologischen Geschlechter, sonden um aktive und empfangende Kräfte, die schöpferische Polarität auf allen Ebenen. Wie im Ying und Yang-Symbol verbinden sich die scheinbaren geschlechtlichen Gegensätze erst im Zusammenspiel zu einer Einheit. Beide Prinzipien ergänzen einander und setzen sich gegenseitig Voraus.

Die 7 Hermetischen Gesetze
Die 7 Hermetischen Gesetze
Entdecke die sieben grundlegenden Prinzipien der Hermetik, die Weisheit und spirituelle Erkenntnis verbinden.