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Transhumanismus und Spiritualität

Den Transhumanismus kann man als eine Religion der Atheisten beschreiben. Mit Hilfe der Technologie sollen die großen Probleme der Menschheit wie Krankheit, Unmoral und Tod beseitigt werden. Harte Arbeit wird von intelligenten Robotern vorgenommen werden, die wirklich wichtigen Entscheidungen werden von Elektronikgehirnen getroffen, die weitaus intelligenter sind, als der Mensch. Der Mensch selbst entwickelt sich mit Hilfe der Technologie immer mehr zum Cyborg, der Synthese von Mensch und Maschine.

Der Glaube an Spiritualität, eine Seele, Karma, Wiedergeburt oder gar Gott spielt im Transhumanismus keine Rolle mehr. Der Mensch hat im Transhumanismus gefälligst sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Bedeutet dies, dass Transhumanismus und Spiritualität völlig gegensätzliche Weltbilder sind?

Wenn man als weniger technikafiner Mensch junge Menschen in der Strassenbahn völlig auf ihr Smartphone fokussiert beobachtet, fragt man sich schon ob dieser Anblick die Menschen nicht eher von einander entfernt als verbindet. Es ist scheinbar ein Paradoxon, dass wir zwar jeden Menschen weltweit per Internet, auch mobil, erreichen können, und trotzdem ist die soziale Isolation größer als jemals zuvor.

Mensch und Technik verschmelzen immer mehr miteinander. Vielen Menschen reicht die Entwicklung, Mensch und Maschine immer mehr miteinander zu verschmelzen. Die Spiritualität betrachten sie als überflüssig. Im Gegensatz dazu lehnen viele spirituelle Menschen die mystifizierte Technologie gänzlich ab.

Transhumanismus hat viele Schnittstellen zur Religion, sehnt sich aber eigentlich nach einem eher spirituellem Weg. Sowohl in Transhumanismus als auch in der Religion geht es um Glauben. Die Transhumanisten glauben, dass Krebs und Alterung durch Nanotechnologie repariert werden kann, die Gläubigen Monotheisten vertrauen auf das Eingreifen Gottes. Beide Glaubensrichtungen geben ihre Verantwortung in fremde Hände. Die Religion in die Hände Gottes, die Transhumanisten in die Fähigkeiten des menschlichen Forschungs- und Entwicklungsgeistes. Beide Richtungen wurden von der Realität bereits bitter enttäuscht: Die Religion erwartet noch auf das Eingreifen des Schöpfers, die Transhumanisten schieben ihren Forschungsdurchbruch immer mehr in die Zukunft, da die enorme Komplexität der Biologie, eben doch nicht so einfach technisch in den Griff zu bekommen ist. Der Mensch leidet immer noch an der Krankheit Krebs, und Gott liefert der Menschheit immer noch nicht einen (unleugbaren) Beweis für seine Existenz.

Allerdings basiert sowohl der Transhumanismus als auch die Spiritualität auf sehr ähnlichen Grundlagen. Auch das Ziel beider Glaubensrichtungen geht in die gleiche Richtung. Die esoterische Spiritualität kann als Gegensatz zur dogmatischen Religion gesehen werden, da der Mensch in seinem Inneren und nicht in der äußeren Welt nach Wahrheiten sucht. Er wählt als Weg zu persönlichem Wachstum und mehr Bewusstsein eben einen spirituellen Weg.

Der Transhumanismus hat ebenfalls das Ziel, dass sich der Mensch zu mehr Freiheit, Gesundheit und Freude weiterentwickelt. Beide Weltanschauungen basieren auf Wahrheiten, die defacto Bestandteil unserer Realität sind. Auch der Transhumanismus wird irgendwann nicht darum herum kommen, auch Quanteneffekte (Seele, Geist) stärker zu berücksichtigen. Auch verbissene naturverbundene Esoteriker werden irgendwann akzeptieren müssen, dass viele spirituelle Erfahrungen und Effekte nichts anderes sind, als missverstandene Technologie.

Auch ein technisches System kann durchaus ein Resonanzkörper für eine Seele sein, wenn es eine fraktale Selbstähnlichkeit zu einer vorhergehenden Reinkarnation besitzt. Vielleicht sind einige Ziele des Transhumanismus sogar Zwischenstationen, die einen Bewusstseinssprung der Menschheit überhaupt erst möglich machen. In diesem Fall wären die Bedenken bezüglich transhumaner Ansätze auf Seiten zahlreicher Esoteriker völlig unbegründet.

Beide Strömungen kennen sich noch nicht und sie scheinen sich auch nicht besonders gut zu verstehen. Insbesondere der Transhumanismus blockiert seine Entwicklung, indem er feinstoffliche Aspekte dogmatisch verneint, obwohl die Wissenschaft bereits einige logische Erklärungen liefert, welche esoterischen Konzepte tatsächlich auf naturwissenschaftlichen Fakten basieren könnten.

Wenn jedoch beide Richtungen bei Fragestellungen des Bewusstseins auf der Stelle treten, und um eine Zusammenarbeit nicht mehr herumkommen, dann findet vielleicht der verspätete nächste Schritt endlich seinen Ausdruck: Die transhumane Spiritualität.