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Roter Feuerstein aus Helgoland

Feuerstein ist an und für sich gar nichts Besonderes. Der Helgoländer Feuerstein ist es aber durchaus wert, dass man ein paar Worte über ihn verliert. Warum findet er hier also Erwähnung? Weil er eine geheimnisvolle Geschichte erzählt… und viele Menschen lieben mystische Geschichten, oft auch erzählt von dem scheinbar Unscheinbaren.

Wer einen Ausflug zu Deutschlands einziger Hochsee-Insel macht, wird ab und zu Schmuck aus einem typisch weiss-schwarz-rotem Stein im Angebot finden. Das Besondere: weltweit findet man diesen Stein nur an einem einzigen Ort: der Düne von Helgoland.

Gehen wir etwas weiter in die Geschichte zurück. Der Feuerstein war für unsere steinzeitlichen Vorfahren – noch vor Atlantis und Lemuria – ein wertvoller Rohstoff. Mangels Metall und Schmiedekunst brauchte man Messer und Äxte aus Stein um Dinge des täglichen Bedarfs zu schneiden oder zu zerkleinern. Doch normale Steine waren zu brüchig oder zu ungenau zu bearbeiten. Der Feuerstein lässt sich hervorragend schlagen und relativ einfach zu Messern, Waffen, Pfeilspitzen und Faustkeilen formen (jedenfalls nach jahrelanger Übung, die heute wohl kaum noch jemand besitzt). Aufgesplitterter Feuerstein ist ausserordentlich schaftkantig.

Feuerstein besitzt natürlich noch eine weitere bedeutsame Eigenschaft: man kann mit ihm Feuer machen. Mit einem leicht entzündlichen Zunder lassen sich die Funken des Feuersteins beim Aufeinanderschlagen zu einem Feuer anblasen, Feuer war insbesondere im Winter im Norden absolut überlebenswichtig.

Ab und zu findet man bei Ausgrabungen steinzeitliche Werkzeuge und Waffen aus Feuerstein. Sehr selten findet man diese Werkzeuge aus einem besonderem Feuerstein, dem roten Feuerstein von Helgoland. Brauner und rotbrauner Feuerstein ist relativ häufig zu finden. Diese markante blutrote Variante wurde jedoch weltweit bislang nur an einem einzigen Ort gefunden: der Düne von Helgoland, der kleinen Nebeninsel, die vor einigen Jahrhunderten durch eine Sturmflut von der Hauptinsel abgetrennt worden ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/Helgoländer_Feuerstein

Noch vor etwa 10000 Jahren gab es eine Landverbindung zwischen Kontinentaleuropa und England, das Doggerland. Helgoland war zunächst nur die Spitze einer Bergkette im Doggerland, heute ist es eine vom Festland 50 km entfernte Nordseeinsel, die abgelegenste Insel die Deutschland zu bieten hat. Der Name Helgoland stammt wahrscheinlich vom friesischen Hall-Lunn, was soviel wie Heiliges Land bedeutet.

Aus den Funden von rotem Feuerstein und Werkzeugen aus ihm können wir heute nachvollziehen, wie die Handelsrouten der Insel zum übrigen Europa verliefen. Natürlich hatten die Menschen bereits damals einen angeborenen Hang zu besonderen Dingen. Ein Feuerstein-Messer oder eine Pfeilspitze in der seltenen roten Farbe war wahrscheinlich bereits vor Jahrtausenden hervorragend geeignet, um andere Menschen zu beeindrucken und in Stauen zu versetzen. Die blutrote Farbe des Feuersteins erinnert an versteinertes Fleisch und Blut, wahrscheinlich verband man ihn damals mit Eigenschaften wie Lebenskraft und Unsterblichkeit. Heute wird man auch an die mystisch rote Farbe des Wurzelchakras erinnert, das mit Harmonisierung und innerem Gleichgewicht assoziiert wird.

Über die Heilwirkung von Mineralien kann und soll natürlich gestritten werden. Jedenfalls ist der rote Helgoländer Feuerstein weltweit etwas Einzigartiges. Das ist eine Einladung zum Philosophieren. Nur hier gab es vor Jahrmillionen genau die geologischen Eigenschaften, die die Entstehung des roten Feuersteins ermöglichte. Es GIBT besondere Orte, es GIBT besondere Zeiten und es GIBT besondere Menschen. Manche Zeiten und Situationen sind einzigartig – sie tauchen einmalig auf und kommen nie wieder. Nicht jedes Ereignis wiederholt sich in der Zeit zyklisch – manche sind einzigartig. Das gilt im besonderen Maße auch für besondere Menschen, die einzigartig sind und uns vielleicht nur einmal im Leben begegnen…

Wer also Helgoland als mystische Insel einmal einen Besuch abstattet, sollte dann auch mal der Düne einen Besuch abstatten. Nur hier kann man sich hunderten von Seehunden und Kegelrobben bis auf wenige Meter frei nähern. Die roten Steine sind nicht ganz so einfach zu finden – selbst erfahrene Sammler brauchen oftmals viele Stunden, um einige wenige Juwelen unter den übrigen Kieselsteinen zu finden. Aufgeschlagen werden die Steine niemals auf der Düne selbst, da sich an den schaftkantigen Splittern Seehunde, Robben und auch barfüssige Menschen verletzen könnten.

Wer selber keine roten Feuersteine findet muss nicht traurig sein. Der Wind pustet hier so stark, dass sämtliche belastende Gedanken und Gefühle für längere Zeit buchstäblich weggeblasen werden – Reinigung für die Seele.