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Raus aus der Identifikation

Raus aus der Identifikation mit der aktuellen Lebenssituation… Dies ist der beste Ratschlag, den man jemanden geben kann, der mit seinem derzeitigen Leben überhaupt nicht so zufrieden ist. Wer sich aus seiner Identifikation und aus seiner Rolle im Leben lösen kann, der verhilft sich und anderen zu mehr Glück und Freiheit. Eine grosse Rolle dabei spielt unser Herz.

Tatsächlich entstehen viele unnötige Schwierigkeiten und unglückliche Situationen nicht aus den äußeren Umständen heraus. Erst unsere Identifikation mit diesen Aspekten ermöglicht es, fremdimplantierten Zielen und Erwartungshaltungen, Macht über uns auszuüben. Leider versuchen viele Menschen überhaupt nicht, ihre Identifikation mit ihrer Rolle aufzugeben oder zu verbessern. Raus aus der Identifikation kommt überhaupt nicht in Frage und der im Spinnennetz gefangene Schmetterling verheddert sich immer stärker in sein unglückliches Schicksal.

Was ist überhaupt Identifikation?
Identifikation stammt aus dem Lateinischen idem (derselbe) und facere (machen) also gleichsetzen. Gemeint ist das hineinfühlen in eine andere Person, in eine andere Identität. Bei der Identifizierung geht es um das Finden von Eigenschaften, die das Wiedererkennen einer Person oder Sache ermöglicht. Aber gehören die Eigenschaften, mit denen wir uns im Leben identifizieren, tatsächlich zu uns selbst? Wir entfremden uns ansonsten damit von uns selbst.

Wer sich mit etwas identifiziert, wird zu einem Repräsentant dieses Konzepts. Oft wird man als Kind negativ identifiziert, z.B. wenn der Lehrer oder die Eltern einen für dumm, untalentiert oder unfähig halten. Wer sich als Kind damit identifiziert, hat bereits in vielen Punkten aufgegeben und verloren. Wer sagt denn überhaupt, dass eine schlechte Note in Mathematik oder Deutsch jemanden zu einen schlechteren Menschen machen?

Wer sich mit seiner Rolle im Leben identifiziert, gibt innerlich auf. Er identifiziert sich nicht mit seinem höheren Selbst sondern mit der Erwartungshaltung und Entsprechung von Eigenschaften, die andere Menschen festgelegt haben. Er tritt auf der Stelle und verliert das Bestreben, seine wahren Talente, sein höheres Selbst, und seine ganz persönlichen Fähigkeiten weiter zu verfolgen. Der Grund, dass er dies nicht tut, ist nicht der aufrichtige Wunsch oder der Verlust dieser Fähigkeiten. Die Ursache für das Steckenbleiben in dieser Rolle ist die eigene Identifikation damit.

Die Tarotkarte Der Teufel drückt diesen Aspekt ebenfalls sehr schön bildhaft aus. Zwei Menschen sind am Sockel des Teufels mit Kette und Halsband festgebunden. Tatsächlich sind die Halsbänder jedoch so weit, dass sie den Kopf leicht aus der Gefangenschaft herausziehen können. Diese Kette ist ein sehr schönes Sinnbild für die Identifikation. Es ist manchmal ganz einfach, die Kette zu lösen und raus aus der Identifikation zu gelangen – allerdings kommt weder der Mann, noch die Frau auf diese simple Idee. Sie wollen überhaupt nicht befreit werden.

Schuld und Macht
Viele Menschen sind zwar unzufrieden mit ihrer Lebenssituation, geben jedoch lieber Anderen die Schuld dafür.

„Wer Anderen die Schuld gibt, gibt anderen die Macht!“

Es ist ja auch viel einfacher: Meine Eltern sind schuld, dass ich jetzt hart arbeiten muss, denn sie haben aus ihrem eigenen Leben nichts gemacht., Mein Chef ist zu geizig, sonst hätte ich schon längst meine Gehaltserhöhung bekommen..Die Regierung verprasst die Steuergelder, deshalb haben meine Kunden kein Geld für meine Produkte.…usw.

Diese Aussagen hört man recht häufig. Mache für Dich selbst Schluss damit. Raus aus der Identifikation! Höre auf, Anderen die Schuld für Deine Situation zu geben. Wenn Du immer nur zu allem Ja sagst, werden Andere das ausnutzen. Vielleicht würdest Du selber gar nicht viel anders handeln.

Natürlich sind die äußeren unbequemen Zustände objektiv und de facto wirksam. Kann es aber nicht sein, dass Du in diese Lebenssituation hineingerutscht bist, weil Du Dich mit Wegmarken dorthin voll und ganz identifiziert hast? Wo wolltest Du eigentlich hin, als Du den Job angenommen hast? Hast Du immer nur auf andere gehört, weil sie es ja besser wissen müssen?

Diese Worte klingen vielleicht hart, allerdings treffen sie auf jeden Menschen zu (ganz besonders auf den Autor dieses Textes!). Erst die Identifikation mit einem Thema hat es ermöglicht, das ungewollte Aspekte im Leben ihren Raum einnehmen konnten und viele ungeplante Zufälle zu einem ganz anderen Ziel geführt haben. Allerdings kann man jederzeit aufhören, sich mit den Dingen zu identifizieren, besonders mit einer Rolle im Leben, die man eigentlich gar nicht spielen will.

Das höhere Selbst
Betrachten wir unser Leben doch einmal aus der Vogelperspektive. Unsere Existenz ist kein Zufall. Aus irgendeinem Grund sind wir genau da, wo wir gerade sind. Überlegen wir einmal, wie viele Zufälle notwendig waren, dass wir hier als Mensch auf der Erde leben dürfen. Aus uns hätte auch ein Schmetterling oder eine Wühlmaus werden können. Die Bandbreite an Entscheidungsvielfalt ist bei diesen Lebewesen – zugegeben – sehr bescheiden. Als Mensch können wir jedoch sehr viel Einfluss auf unser Schicksal nehmen. Wir sind hier, um irgendeine Erfahrung zu machen. Viele sagen dazu oft auch Chancen. Haben wir bereits herausgefunden, welche Erfahrungen wir in diesem Leben erleben möchten? Oder wissen wir vielleicht, wo wir hin wollen, kommen aber aus der Identifikation mit der Lebenssituation nicht heraus?

Das Motto lautet: Raus aus der Identifikation! Wir können jederzeit das Drehbuch für unser Leben gegen ein neues Drehbuch ersetzen. Vielleicht reicht es ja schon, einfach einige Teile davon zu überschreiben. Die Energie, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen, ist natürlich allein von uns selbst aufzubringen. Wenn wir es aber erst einmal geschafft haben, aus der Identifikation mit unserem aktuellen Selbst herauszukommen, wird uns der zurückliegende Weg dorthin vielleicht gar nicht schwer vorgekommen sein. Vielleicht fragen wir uns sogar: warum habe ich das nicht schon eher so gemacht?

Natürlich kann das neue und veränderte Leben ebenfalls nicht unseren Wünschen und Zielen entsprechen. Dann heisst es wieder, Abstand gewinnen, Zeit zum Nachdenken finden, Entscheidungen abwägen und vor allem: Raus aus der Identifikation mit der aktuellen Drehbuch-Rolle. Schreiben wir zur Abwechslung einmal unser eigenes Drehbuch. Übernehmen wir zur Abwechslung mal selbst Verantwortung für unser Schicksal – mit allen Konsequenzen.

Ist irgendetwas gerade in Deinem Leben nicht so, wie es sein sollte? Dann aber schnell: Raus aus der Identifikation, rein ins Leben 2.0.

Viel Erfolg dabei!